Liebe Freunde der Natur,
wir dachten uns einfach, daß es Menschen interessieren und vielleicht auch motivieren könnte, wenn sie erfahren, wie andere Menschen neue Projekte entstehen lassen.
In unserem Falle des Naturparks "Alto Palguín" in den südlichen Anden Chiles gelegen, war es eine Mischung aus Not, Naturliebe und Idealismus.
Die meisten Natur- und Nationalparks entstehen ja aus einem Schutzgedanken heraus, der eine gewisse Intellektualität gebraucht. So sind meist die Gründer solcher Projekte Wissenschaftler und Naturforscher, manchmal auch Politiker, aber wohl kaum Geschäftsleute oder der Bürger auf der Strasse.
Um den Schutzgedanken überhaupt entwickeln zu können, muß man über das eigene kleine Ego-denken oder der Erhaltung der eigenen menschlichen Rasse hinaus gelangen. Man muß wahr-nehmen können, daß es noch weit mehr gibt, als das eigene Ich. Bei Wissenschaftlern ist der Forschergedanke der Antriebsmotor. Gefährlich dabei ist, daß dabei das Sortieren und Sondieren der unterschiedlichen Arten zu einem "Kopftrip" werden kann, das Benennen und Sezieren den Bereich des Empfindens verlassen. Damit schließt sich der Mensch im Geiste von der Natur wieder aus, er stellt sich über das Gesamtwerk "Natur" und betrachtet es von Außen. Damit isoliert sich der Mensch von Neuem von dem, was er da beschützen will.
Anders ist da schon der Gedanken des miteinander Lebens.
Miteinander bedeutet ja als Voraussetzung das Erkennen, daß ein Einzelindividuum ohne eine Umwelt aus anderen Individuen nicht existieren kann. Dies ist erst einmal nur ein Gedanke. Der Gedanke an sich nützt aber dem Menschen gar nichts, wenn er den Gedanken nicht leben kann, weil er Ihn nicht im Außen erfahren kann. Das geht wohl dem Menschen in Industriestaaten so. Man kann wohl schon in einer kleinen Wohnung mit Balkon in einem 10- Familienhaus leben und täglich ins Büro in der Stadt fahren und doch den Gedanken an Naturschutz in sich tragen, aber wie kann man den Gedanken als eine Empfindung zum Leben erwecken? Braucht es nicht dazu auch die Erfahrung des Lebens in einer vollkommen natürlichen Umgebung?
Sie kennen sicher Menschen, die sehr viel wissen, viel belesen sind, denen Sie nie intellektuell das Wasser reichen können. Aber haben Sie auch schon hin- und wieder einmal bemerkt, das viele dieser wirklich klugen Menschen keinen echten und praktischen Zugang zu dem haben, was sie da sagen. Sie selbst fühlen sich solchen Menschen vielleicht weit unterlegen und doch handeln sie selbst scheinbar unwissend, aber mit einer tiefen Ahnung ausgestattet richtig ...., während der Kluge oft nicht spürt, was die eine oder andere Hand tut. Dies ist der Unterschied zwischen Wissen und Empfindung.
Beim Naturschutz in der westlichen Welt wird meist nach dem Prinzip des Wissens gehandelt. Das Empfinden, weil unerklärlich, findet oft keinen Anklang. Und das Ahnen, als ein archetypisches Grundwissen tief in den Genen eingewirkt, wird in einer Welt, die nach intellektuell ökonomischen Prinzipien aufgebaut ist, als Lächerlichkeit beiseite geschoben.
Als Berliner Stadtkind konnte ich mir damals nie erklären, warum die Leute um mich herum so unzufrieden waren. Ich konnte mir auch nicht erklären, was sie antrieb immer mehr zu arbeiten, mehr Geld verdienen zu wollen, mehr besitzen zu wollen, sich mehr ablenken zu müssen. Ich spürte nur tief in mir, daß da etwas war, was nicht so sein sollte.
So fing ich an, mir immer mehr Gedanken um mein Leben und das meiner Mitmenschen zu machen. Ich wollte die Welt verändern, verbessern und ich nahm dazu immer wieder nur die Eckdaten einer Menschenwelt. Wie sollte es für mich als Städter auch anders sein, mit der Natur bzw. Nicht-menschlicher Welt konnte ich mich ja schlecht vergleichen, denn sie gab es nicht oder gab es sie etwa im Zoologischen Garten?
Einmal ausgewandert, erst probeweise nach Kanada, dann für 20 Jahre nach Chile, brachte vollkommen neue Eindrücke einer Lebensgemeinschaft Natur. Es war nicht mehr das Betrachten der Natur bzw. anderer Lebensformen von Außen, es war das mittendrin Sein.
Erst entstand die Pferderanch als eine Plattform zum eigenen Überleben, weil das autark leben für uns als ehemalige Städter unmöglich war. Wir zeigten also anderen Menschen, meist Gäste aus deutsch sprechenden Ländern, die Wunder einer Urwelt aus Vulkanen, Wildwasser- Flüssen und Baumgiganten und bekamen dafür Geld. Geld für Zucker, Käse, Haferflocken, Benzin oder Kupferrohre....
Im Jahre 2002 kam es im persönlichen Bereich der Ranch zu viel Unstimmigkeiten, Liebe, Eifersucht, Verlassenheit und ähnliches. Also eine große Zeit!
In solchen Zeiten pflege ich mich dann meist zurückzuziehen und die Innenschau zu betreiben. Ich fing also geistig an, nach neuen Wegen und Auswegen zu suchen. Also ging ich mit meiner Machete in der Hand durch unwegsames Gebiet, so wie es mir gerade sich auch im Zwischenmenschlichen präsentierte.
Bei der Suche nach Auswegen aus einer persönlichen Misere, entdeckte ich in meiner umliegenden Natur immer mehr Pflanzen, neue Quellen, unbekannte Wasserfälle, Meditationsbäume, Vögel und tausende von Lebewesen. Ich begann neue Wege mit meiner Machete zu schlagen, ohne eigentlich zu verstehen, was ich da tat. Daraufhin brachte ich farbige Holzschildchen an Bäumen an, die meine neuen Wege markierten. Ich zeichnete Karten, die es anderen ermöglichte meine Wege nach zu verfolgen. Ich bestellte einen Holzschnitzer, der große Skulpturen in tote Baumstämme einarbeitete, mit dem Zweck dem Publikum dieser neuen Wege das Geheimnis der Natur auf mystische Art und Weise zu betrachten. Und ich legte mit meinem chilenischen Angestellten einen  Abenteuerspielplatz für die Kleinen an, mit Lianenseilen, Balancierbalken und einer kleinen Seilbahn. Für das Intellekt der Besucher besorgte ich mir Schautafeln von Pflanzen und Tieren und für den Abenteuerlustigen wurden Baumstämme über dem Fluss zu Brücken mit Geländern.
So machten wir hier wieder einmal die Erfahrung, daß neue Dinge und Projekte nicht aus dem Kopf geboren werden, sondern aus einem Empfinden heraus. Der Kopf ordnet sich dann systematisch unter und hilft der Idee, physisch real zu werden.
Etwas enttäuschend war dann vielleicht die Reaktion auf die chilenischen Touristen, die den Wasserfall lieber vom Auto aus fotografieren wollten, denn 30 Minuten zu Fuß durch den Urwald ist denn doch zu anstrengend. Ausländisches Publikum nahm den "Parque Alto
die Mystik in der Natur
 Palguín" begeisternd an.
Nun, nach 3 Jahren Betrieb, müssen wir jedoch einsehen, daß der Gedanke an einen privaten Naturpark ökonomisch ohne Hilfe von Außen nicht vertretbar ist. Aber ging es uns denn um das "Funktionieren" eines Betriebes? Nein, eigentlich nicht. Es ging uns um die Schaffung einer neuen Erlebniswelt in Interaktion zwischen Tier, Pflanze und Mensch, zwischen tiefer Empfindung und Liebe zur Natur und dem Weitervermitteln eines Grundgedankens:
"Naturschutz entsteht aus dem Bauch und hat etwas mit dem archaischen Fühlen des eigenen Wesens in sich zu tun. Naturschutz ist die Liebe zum eigenen Wesen im kosmischen Reigen zu anderen Wesen, es ist das tiefe Erkennen von Anderheiten".
 
Wenn der werte Leser ähnlich empfinden kann, ist er uns herzlich willkommen, empfindet er anders, so ist er uns genauso willkommen. Und wenn Sie unsere Gedanken unterstützen und sich dennoch nicht von zu hause loseisen können, dann können Sie uns helfen mit Rat und Tat (siehe Hilfe erbeten)
Entstehung eines
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Baden am Wasserfall des Wohnparks Quetrupillan

1000-jährige Baumgiganten schaffen Ehrfurcht